Auszug mit freundlicher Genehmigung des Verfassers aus
Gerhard Amendt "Scheidungsväter"
"...Auch unsere Forschungsergebnisse zeigen, dass sich ungelöste Paarprobleme regelmäßig zum Nachteil der Kinder auswirken. Bereits die Regelung des Umgangs in großer zeitlicher Nähe zur Scheidung ist stark mit Ressentiments unter den Geschiedenen aufgeladen. Ähnliches ist beim Zahlungsgebaren von Scheidungsvätern (übrigens auch Scheidungsmüttern) zu beobachten. Die Zuverlässigkeit der Unterhaltszahlung wird nachweislich davon bestimmt, ob die Expartnerin den Wunsch des Vaters nach Kontakt mit seinen Kindern anerkennt, fördert oder blockiert. Je stärker die Väterlichkeit von der Exfrau eingeschränkt wird, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Scheidungsvater durch Drehen am Geldhahn revanchiert. Das trifft die Expartnerin empfindlich, denn unregelmäßige wie unvollständige Zahlungen schaffen eine Atmosphäre der existenziellen Bedrohung.
Angesichts des Leidens, dem Kinder durch die Konfliktunfähigkeit ihrer geschiedenen Eltern ausgesetzt sind, muss die Gesellschaft jenseits abstrakter Gesetzesnormen zusätzlich sozialpolitisch tätig werden, um das Wohl der Kinder zu sichern. Hierbei handelt es sich um ein gesellschaftliches Großprojekt, das überhaupt erst begonnen werden muss. Auch die Debatte über besondere Formen der Unterstützung ist erst noch zu führen. So müssen verfügbare Institutionen und Fördermaßnahmen auf ihre Tauglichkeit hin untersucht werden. Es ist ernsthaft zu prüfen, ob das Gerichtswesen für Familienangelegenheiten von seinen Zielsetzungen, seinen Möglichkeiten und seiner Personalausstattung her grundsätzlich überhaupt geeignet ist, zur Lösung von Scheidungskonflikten Wesentliches beizutragen.
Zu dieser prinzipiellen Frage treten ideologische Komponenten hinzu. So etwa die Begünstigung und Idealisierung der Mutter, wie sie häufig in Urteilen zum Ausdruck kommt. Sie ist ideologisch, weil sie von dem trivialen Mutterverständnis ausgeht: Mutter ist die Beste. Statt der Weisheit erbaulicher Muttertagssprüche zu folgen, wäre darüber nachzudenken, die helfenden Berufe so zu spezialisieren, dass sie in Erfolg versprechender und einfühlsamer Weise auf die besonderen Probleme von Scheidungsfamilien eingehen können..."